Die Ästhetik des Widerstands Peter Weiss 100

Ein Festival des HAU Hebbel am Ufer. 28.9.–8.10.2016 / HAU1, HAU2, HAU3.

Als Peter Weiss von 1972 bis 1980 “Die Ästhetik des Widerstands” schrieb, blickte er zurück auf die 1930er/40er Jahre, auf ein Berlin des antifaschistischen Untergrunds, auf den Spanischen Bürgerkrieg, sowie auf ein Jahrzehnt des europäischen Exils. Es entstand eine Betrachtung des 20. Jahrhunderts – ein Roman, der Kunsttheorie und Weltsicht vor dem Hintergrund des historischen Konflikts zwischen Faschismus und Kommunismus zusammenführt. Anhand der Biografie eines jungen Arbeiters, der gegen die nationalsozialistische Diktatur kämpft, wird ein Emanzipationsprozess geschildert, der auch für die Frage nach heutigem Widerstandspotential zentral ist: Die Möglichkeit des Erkämpfens politischer Beteiligung durch den Einzelnen. Dabei erhält ein zentrales Thema des Buches – der Widerstand gegen den Faschismus – mit dem Wiedererstarken nationalistischer Bewegungen in Europa eine erneute Aktualität. Wie lässt sich der gnadenlosen Chronologie der Ereignisse ein alternativer Verlauf abtrotzen? Anlässlich des 100. Geburtstags des Autors, Filmemachers und Bildenden Künstlers Peter Weiss (1916–82) hat das HAU gemeinsam mit Berliner Kooperationspartnern Künstler*innen, Aktivist*innen und Theoretiker*innen eingeladen, die Aktualität einer vergangenen Zukunft neu zu befragen. Welche Bedeutung hat dieses, nun selbst historische Geschichtsbild für die Gegenwart?

Programm

Filmreihe im Arsenal – Institut für Film- und Videokunst e.V. kuratiert von Florian Wüst

Peter Weiss’ filmisches Werk markiert den Übergang von einer surrealistisch geprägten Innensicht zur Auseinandersetzung mit der sozialen Wirklichkeit. Die dokumentarische Praxis bleibt bei Weiss jedoch von individuellen Standpunkten und Widersprüchen durchzogen. Vor diesem Hintergrund widmet sich die internationale Filmauswahl dem Verhältnis von ästhetischer und politischer Subjektivität in Bezug auf Widerstand und gesellschaftliche Veränderung.

Programm

Lesung "Die Ästhetik des Widerstands"

Wie wäre dies, was wir durchlebten, so darzulegen, daß wir uns drin erkennen könnten.” “Die Ästhetik des Widerstands” ist ein widerständiger Roman. Widerständig gegen die einseitige Erzählung von Geschichte, widerständig gegen elitäre Hegemonien von Kunstnarrativen, widerständig gegen das Vergessen und den politischen Stillstand. In einem von dem Künstlerduo AlexandLiane gestalteten Raum wird während einer mehrtägigen Lesung die Romantrilogie mit den Zuhörer*innen wiederentdeckt.

Programm

Die Wiederkehr des europäischen Faschismus

Die selbstgestellte Aufgabe des Faschismus lautet, das Schlechte zu verschlechtern. Die vor Krieg Geflohenen will er jagen, die am Boden liegenden mit Stiefeln treten. Der Faschismus bekämpft nicht das Leid, sondern die Leidenden. Er kommt in der Krise mit einem einzigen "Versprechen": sie in eine Katastrophe zu verwandeln. Anknüpfend an "Die Ästhetik des Widerstands", in deren Zentrum der Kampf gegen den historischen Faschismus steht, analysieren internationale Redner*innen die aktuelle Entwicklung in Europa. 

Programm

Stafettenlesung «Die Ästhetik des Widerstands» im November 2016

Schwierig, anspruchsvoll, eigenwillig - «Die Ästhetik des Widerstands» gilt als kaum lesbarer Roman. Und wirklich, das rund 1.000 Seiten umfassende Buch von Peter Weiss (1916-1982) ist eine Herausforderung. Eine jener literarischen Aufforderungen, die der Leser/die Leserin annehmen muss. Ein unvergessliches Lektüreerlebnis ist möglich: durch Lese-Arbeit, durch das Aushalten der Spannung zwischen Kunst und Politik, durch das Erkennen der beständigen politischen Relevanz.

Zum 100. Geburtstag des Autors Peter Weiss präsentieren die Rosa-Luxemburg-Stiftung und das Peter-Weiss-Haus in Rostock die Aktualität der Weiss’schen Widerstandsästhetik: Eine Stafettenlesung des gesamten Buches «Die Ästhetik des Widerstands» vom 11. bis 13. November 2016 in Rostock.

Über 50 Stunden lang soll im Peter-Weiss-Haus gelesen werden. Das Projekt wird in freundschaftlicher Weise von Gunilla Palmstierna-Weiss unterstützt: Auch sie hat schon in Stockholm ein Kapitel der «Ästhetik»  eingelesen. Die Witwe des Künstlers Peter Weiss ist nur eine von 100 lesenden Gästen, die entweder live eine Passage vorlesen oder zuvor per Video aufgenommen werden.

Clip: Gunilla Palmstierna-Weiss Die Ästhetik des Widerstands - Motivation

Peter Weiss 100 – Potsdamer Positionen

Das Filmmuseum Potsdam, das Hans Otto Theater, das Potsdam Museum, der Potsdamer Kunstverein und die Universität Potsdam haben in den vergangenen Monaten gemeinsam ein facettenreiches und aufeinander abgestimmtes Programm zusammengestellt. Von Mitte September bis in den November hinein können sich Potsdamer, Brandenburger und Berliner Kulturinteressierte auf vielfältige Weise mit dem Leben und Wirken von Peter Weiss auseinandersetzen.

Programm

Peter-Weiss-Woche Literaturforum im Brecht-Haus

 Dieses Jahr wäre Peter Weiss, geboren bei Potsdam und 1982 in Stockholm verstorben, 100 Jahre alt geworden. Als Autor ist er in den letzten Jahren zu einem Klassiker erklärt und als solcher rezipiert worden. Das bedeutet gemeinhin aber auch, dass er – beziehungsweise sein Werk – inzwischen als „zahnlos“ gilt. Die Themenwoche wird daher fragen, ob Weiss „nur“ ein Klassiker ist – oder ob seine künstlerischen wie seine politischen Aussagen noch immer in die Gegenwart hineinwirken. Auch zu diesem Zweck soll nicht nur Weiss‘ zwischen 1971 und 1981 entstandenes Hauptwerk - der Roman-Essay „Ästhetik des Widerstands“ – im Mittelpunkt der Schwerpunktwoche stehen, in dem Weiss auf einzigartige Weise literarisches Erzählen mit Reflektionen über die Geschichte der gespaltenen Arbeiterbewegung im 20. Jahrhundert und über das Verhältnis von Kunst und Politik verband. Vielmehr sollen auch häufig unterbelichtete Aspekte von Weiss‘ Werk in ihrer Entwicklung in den Blick genommen werden. Projektleitung: Ingar Solty und Jörg Sundermeier

Peter Weiss Woche Mo. 01.08.2016 - Fr. 05.08.2016