Rajkamal Kahlon

Double Take. Rajkamal Kahlon. Foto: Emma Haugh
Double Take
Photo: Emma Haugh
Blowback. Foto: Emma Haugh

Rajkamal Kahlon arbeitet mit visuellen Materialien des Kolonialismus, um sie mit der Gewalt in Folge des ‚Krieges gegen den Terror’ in Verbindung zu setzen. Durch anarchischen Humor und eine kritische Ästhetik befreit sie Texte und Bilder, die aus Machtregimen hervorgegangen sind, von ihrer ursprünglichen Bedeutung. Ihre künstlerische Praxis insistiert auf die zentrale Rolle des Körpers in der Erfahrung von Unterdrückung und thematisiert den Akt des Sehens als Bestandteil der Entstehung und Ausübung von Gewalt. Double Take ist eine fortlaufende Serie von Wasserfarbenporträts und modifizierten Gravuren, die aus illustrierten Zeitungen, Büchern, ethnographischer und Studiofotografie aus dem 19. und 20. Jahrhundert hervorgehen. Durch ihre Interventionen in die Archivbilder unterbricht Kahlon die intendierte pädagogische Funktion der Europäischen Bildrepräsentation ehemals  kolonisierter Subjekte und schreibt sie um. Es entsteht ein Dialog zwischen imperialistischen Bildern und geopolitischen Ambitionen der Vergangenheit und Gegenwart. ‚Blowback’ ist ein CIA-Terminus für die unbeabsichtigten Konsequenzen verdeckter Operationen gegen ausländische Staaten und Regierungen. Diese Metapher dient Kahlon zur Erkundung des unheimlichen Zusammenhanges zwischen frühen anthropologischen Darstellungen und Akten politischer Vergeltung, die heute als Terrorismus bezeichnet werden. Die Angst westlicher Gesellschaften vor der körperlichen Präsenz von Personen of Color greift Kahlon in den Skulpturen und Zeichnungen der Serie Blowback zugespitzt auf, in dem sie die „Ureinwohner*innensubjekte“ bewaffnet, die in niederländischen und deutschen ethnografischen Sammlungen zu Forschungsobjekten reduziert wurden. In ihren Arbeiten versucht Kahlon die Würde derer wiederherzustellen, deren anonyme Abbildungen noch immer mit imperialen europäischen Archiven verwoben sind. Ihren Geistern nachgehend erschafft sie dabei neue Formen poetischen Widerstands.