Gabriel Rossell Santillàn

Metazoalein: aus Zungen, Muskeln und Oberschenkeln zusammengesetzt. Gabriel Rossell Santillàn. Foto: Emma Haugh
Metazoalein: aus Zungen, Muskeln und Oberschenkeln zusammengesetzt.
Wixáritari Fresko. Gabriel Rossell Santillàn. Foto: Emma Haugh
Foto: Emma Haugh

Die Schnittstellen von Kunst, kollektiver Wissensproduktion und dokumentarischer Arbeit auslotend, beschäftigt sich Gabriel Rossell Santillán mit der Transformation und Weitergabe von kulturellem Wissen. Seit 12 Jahren entwickelt er in enger Zusammenarbeit mit Mitgliedern der Wixáritari-Gemeinde in Nayarit, Mexiko, und in Auseinandersetzung mit Artefakten dieser Gemeinde in der Sammlung des Ethnologischen Museums Berlin neue Formen der gemeinsamen Autor*innenschaft sowie der politischen Anwendung künstlerischer Praxis. Anlässlich von Undisciplinary Learning schlägt Gabriel Rossell Santillán eine neue Lesart zu einer der Schlüsselszenen aus Die Ästhetik des Widerstands vor: Während die drei Protagonist*innen im Roman das um 165 v.u.Z. erbaute und ab 1879 in die Berliner Museen überführte Fries des Pergamonaltars im Sinne des Klassenkampfes und der Befreiung von Sklaverei und Unterdrückung umdeuten, überträgt der Künstler gemeinsam mit Workshopteilnehmer*innen das dargestellte Ringen zwischen Giganten, Tierwesen und Göttern in die Gegenwart, bezieht es auf Kolonialgeschichte und neokoloniale Hegemonien, und verknüpft es mit der Philosophie und den historischen wie aktuellen Kämpfen der Wixáritari. Das neue Fries ist ein multimediales, polyphones Palimpsests, das als lebendiges Archiv und fragiles Monument an Freiheit und Gemeinschaft Verbindungen zwischen Körpern und Sprachen, Zeiten und Geographien, Theorien und Erfahrungen herstellt.