TRÜMMERBERG KILIMANJARO

Ausstellung und künstlerische Überprüfung der Dekolonisierung von den Archiven in Tempelhof-Schöneberg mit Nathalie Anguezomo Mba Bikoro, Anaïs Héraud-Louisadat (Squat Monument) 

Laufzeit: 09.09.2016 - 19.11.2016

Squat Monument. Nathalie Anguezomo Mba Bikoro & Anaïs Héraud-Louisadat
Foto: Emma Haugh

Trümmerberg Kilimanjaro versammelt urbane Spuren des deutschen Kolonialismus und seiner kulturellen und ökonomischen Ausdrucksformen sowie Migrationszusammenhänge im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg zu einem performativen Archiv. In der Ausstellung bei District und dem mobilen Geschichtskiosk in der Nachbarschaft treffen diese Spuren mit den Stimmen und Erzählungen der Protagonistinnen der antikolonialen Widerstandsbewegungen in Namibia und Deutschland zusammen.

Trümmerberg Kilimanjaro versammelt erstmals die Ergebnisse des von den beiden Künstlerinnen seit 2015 entwickelten künstlerischen Forschungsprojekts Squat Monument, mit dem sie neue Formen kollektiver Erinnerungskulturen initiieren, um offizielle Geschichtsnarrative in Frage zu stellen. Den Trümmerberg Marienhöhe in Tempelhof verstehen Nathalie Anguezomo Mba Bikoro und Anaïs Héraud-Louisadat als kulturelle Enzyklopädie verschütteten Wissens, während die metaphorische Landschaft des Berges Kilimanjaro – Propagandasymbol der deutschen Kolonialmacht insbesondere während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts1 - durch dieses Wissen neu besetzt und rück- angeeignet werden kann. Das Besetzen von Denkmälern (squatting the monument) meint das Aktivieren von Geschichte(n) durch alternative Perspektiven und unerzählte Narrative: Wenn Archive sich transformieren und poetische Gesten radikal Raum einfordern.

Die künstlerische Praxis von Nathalie Anguezomo Mba Bikoro (*1985, Gabun) und Anaïs Héraud-Louisadat (*1988, Frankreich) bewegt sich zwischen Performance und politisch sowie sozial engagierter Kollaboration, die einen langfristigen Dialog durch künstlerische Forschung und Bildung anstrebt.

Squat Monument ist ein Projekt der beiden Künstlerinnen, das sie während ihrer Zeit als Atelierstipendiatinnen bei District 2015/16 initiierten. Es handelt sich dabei um eine künstlerische Erforschung der Erinnerungskultur Deutschlands und seiner Haltung zur Kolonialität. Die Ausstellung Trümmerberg Kilimanjaro versammelt erstmals die Ergebnisse ihrer Interventionen in die Geschichte(n) des Berliner Bezirkes Tempelhof-Schöneberg, in dem sich auch District befindet, sowie ihrer Forschung in verschiedenen Archiven in Berlin und Basel.

1 Für die beiden Künstlerinnen stellt der Film Carl Peters (Regisseur: Herbert Selpin, 1940/41) das deutlichste Beispiel für die kolonialen Trümmer des Kilimanjaro-Symbols dar.