Eine Arbeiterin wird Schriftstellerin. MASCH, Agitprop, Margarete Steffin.

Eine Leseperformance
Rena Rädle & Vladan Jeremić, Ina Wudtke.

Samstag, 15.10.2016 19h
Ort: Rosa-Luxemburg-Saal, Karl-Liebknecht-Haus
Kleine Alexanderstr. 28, 10178 Berlin – Mitte
Eintritt frei

Als Teil des an Originalschauplätze der Ästhetik des Widerstands in der Berliner Stadtlandschaft führenden Programms Undisciplinary Learning. Remapping the Aesthetics of Resistance. STADT veranstalten die KünstlerInnen Rena Rädle & Vladan Jeremić und Ina Wudtke eine Lesung von Texten der Arbeiterschriftstellerin Margarete Steffin im Karl-Liebknecht-Haus. Peter Weiss beschreibt in seinem Roman Die Ästhetik des Widerstands Arbeiter*innenschulen in denen junge Arbeiter*innen zum ersten Mal Kunst und Literatur kennenlernten und selber Autor*innen oder Künstler*innen wurden. Margarete Steffin war vor 1933 Teil von Arbeiter*innensprechchören und Agitproptruppen und schrieb auch Songtexte und Gedichte zur Agitation. Steffin lernte in der Marxistischen Arbeiterschule (MASCH), die im Karl-Liebknecht-Haus gegründet wurde, Bertolt Brecht kennen. Margarete Steffin wurde Brechts engste Mitarbeiterin in den Jahren 1933 bis zu ihrem Tod 1941. Sie hatte im Schreibkollektiv von Brecht die Aufgabe seine Texte in „Arbeitersprache“ zu „übersetzen“. Brecht und Steffin schrieben die bedeutendsten Texte des deutschen Widerstands gegen den Faschismus im dänischen Exil.

Mit ihren disziplinübergreifenden Forschungen und Interventionen, Texten, Parolen, Zeichnungen, Videos und öffentlichen Aktionen thematisieren Rena Rädle und Vladan Jeremić gesellschaftliche Widersprüche und untersuchen die Potenziale emanzipatorischer Politik. Ina Wudtke hinterfragt in ihrer künstlerischen Arbeit und als aktivistische Kulturproduzentin (u.a. im Herausgeberinnenkollektiv des von 1992 bis 2004 erschienenen feministischen Künstler*innenmagazins NEID) hegemoniale Diskurse und versucht Gegenperspektiven zu Themenfeldern wie Identität, Arbeit, Stadt und Wohnen zu stärken.

Am Abend Eine Arbeiterin wird Schriftstellerin. MASCH, Agitprop, Margarete Steffin stellen die Künstler*innen Rena Rädle & Vladan Jeremić und Ina Wudtke neben dem Werk Steffins ihre Arbeitsblätter zum lebenden Bild vor, die sie als Beitrag für die Ausstellung zu Undisciplinary Learning. Remapping the Aesthetics of Resistance in District entwickelt haben. Die kostenlose 16-seitige Zeitung beschäftigt sich mit Agitproptechniken der Arbeiter*innenbewegung in den 20er und 30er Jahren in Deutschland, wozu das in Vergessenheit geratene „Lebende Bild“ gehört. Ursprünglich gehörte das Nachstellen von historischen Szenen zum Unterhaltungsprogramm bei Festveranstaltungen der Aristokratie und des Bürgertums. In der Weimarer Republik radikalisierten kommunistische Agitprop-Truppen das lebende Bild zu einem Mittel des Protests und der direkten Aktion. Die Zeitung zeigt historische „Lebende Bilder“ und suggeriert darüberhinaus Szenarios lebender Bilder für die aktuelle politische Situation.