Trümmerberg Kilimanjaro Kioskkultur – Dekoloniale Archivtour

Ein performatives Archiv an verschiedenen Orten in Tempelhof und Kreuzberg mit Nathalie Anguezomo Mba Bikoro und Anaïs Héraud-Louisadat (Squat Monument)

Ausgehend von einem Materialtransfer aus der Ausstellung Squat Monument: Einführung in einem dekoloniale Landkarte in den mobilen Kiosk.

Freitag, 30. September, 19 h

Finissage im Tempelhof Museum, Alt Mariendorf 43, 12107 Berlin

Samstag, 1. Oktober13 – 19 h

Treffpunkte
13 h: Sarotti Café, Mehringdamm 57
15:30 h: Tempelhofer Feld Eingang S-Bahn Tempelhof
18 h: District Berlin

Foto: Emma Haugh

Im Rahmen der Ausstellung TRÜMMERBERG KILIMANJARO untersucht Kioskkultur als mobiler Geschichtskiosk die kolonialen Trümmer aus denen sich die wirtschaftliche und politische Identität Berlins seit der Jahrhundertwende speiste. In ihrem fortlaufenden Projekt Squat Monument gehen Nathalie Anguezomo Mba Bikoro and Anaïs Héraud-Louisadat mit den Erfahrungen der Menschen um, deren Körper und Stimmen im Laufe der Zeit unsichtbar gemacht worden sind und besetzen ausgewählte Schauplätze in Tempelhof als Denkmäler kolonialer Erinnerung neu. Im Verlauf des sich mit Interventionen, Filminstallationen, Workshops und Performances durch den Stadtraum bewegenden Archivs verbinden sich die von Handel und Filmproduktion des frühen 20. Jahrhunderts hinterlassenen Spuren zu einer dekoniale Landschaft.

Inspiriert ist die Tour vom Begriff der 'économie de la débrouillardise', der im frankophonen Afrika und der Karibik eine auf Erfindungsreichtum, Improvisation und Selbstversorgung beruhende Form des Wirtschaftens ist. Der von dem Journalisten Robert Neuwirth neu verwandte Begriff zieht Parallelen zu Widerstandsbewegungen im ost- und westafrikanischen Kino der 60er und 70er Jahre. In den 50er Jahren waren fahrende Kinos unterwegs, die propagandistische Kolonialfilme zeigten. Später nutzten antikoloniale Oppositionsbewegungen insbesondere in Namibia dieses Format als dekoloniale Methode der Unabhängigkeit, mit der sie in den ländlichen Gebieten der ehemaligen deutschen und portugiesischen Kolonien ihre eigenen Filme zeigten. Durch die Dekonstruktion anthropologischer Traditionen und die Rückeroberung gemeinschaftlicher Räume sollte dies die politische und wirtschaftliche Landschaft verändern. Kiosk Culture untersucht diese Strategie des ‚System D’ in den städtischen Migrationsräumen von Tempelhof. Als bewegliches Versammlungszentrum und Antithese zum Museum vereint der Kiosk das Wissen, die Erinnerungen und Menschen lokaler Gemeinschaften, um unsere Beziehung zu unserer Umgebung zu verändern.

Die Kioskultur dekoloniale Archivtour nimmt ihren Ausgang am 30. September im Museum Tempelhof anlässlich der Finissage der Ausstellung Squat Monument: Einführung in einem dekoloniale Landkarte. Basierend auf ihren Recherchen zur Marienhöhe im Zusammenhang mit der Produktion propagandistischer Kolonialfilme der dort ansässigen UFA Filmstudios haben die beiden Künstlerinnen von der Geschichte ausgelöschte Narrative in die Dauerausstellung des Museums zurück geführt. Nach einer Performance wird eine Prozession von Objekten und Kunstwerken in den Kiosktransporter überführt.

Am 1. Oktober wandert das bewegliche Archiv dann durch die Nachbarschaft und lädt Besucher*innen und Passant*innen zu Gesprächen mit den Künstlerinnen und kollektiven Aktionen an 3 Stationen ein. Die erste Station sind die Sarotti-Höfe, eine Verkaufsstelle der 1852 gegründeten Berliner Schokoladenfabrik Sarotti, die seit 1918 ihre Produkte unter dem Logo des Schwarzen Mohren vertrieb. Von Sarotti geht es zum Tempelhofer Flughafen, der zwischen 1937 bis 1941 errichtet wurde und in dem während des Nationalsozialismus Zwangsarbeiter*innen den Flugzeug- und Waffenbau der dort angesiedelten Unternehmen sicherten. Auf dem Feld vor dem ehemaligen Flughafengebäude bieten die Künstlerinnen einen Drachenworkshop an, der auf ihrer Auseinandersetzung mit dekolonialen Feminist*innen im antikolonialen Widerstand, organisiert zwischen Berlin, Namibia und Kamerun, beruht. Die Tour endet in ihrer Ausstellung Trümmerberg Kilimanjaro als Teil des Projekts Undisciplinary Learning. Remapping The Aesthetics of Resistance